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Es geht um unser Wasser…

Offener Brief der Klimaliste Hessen Vogelsbergkreis Trinkwasserversorgung im Vogelsbergkreis im Zusammenhang mit dem Weiterbau der A49

Sehr geehrte Frau Ministerin Hinz,                                                                                            sehr geehrter Herr Bundesminister Scheuer,                                                                        sehr geehrter Herr Ministerpräsident Bouffier,                                                                    sehr geehrter Herr Minister Al-Wazir,

wir, die Klimaliste Hessen Vogelsbergkreis und viele Vogelsberger Bürger*innen haben Angst um unsere zukünftige Trinkwasserversorgung.

Die Folgen des immer weiter fortschreitenden Klimawandels, wie schneearme Winter, kurzzeitige Oberflächenabflüsse nach Starkregen und lange Hitzeperioden sind dafür verantwortlich, dass die Grundwasserspiegel im Vogelsberg sinken. Durch extrem trockene Sommermonate dauert es zu lange, bis der Boden wieder bis in die unteren Schichten Wasser aufnehmen kann. Das Grundwasser kann sich immer schlechter neu bilden, so dass es dann zu Ausfall von Quellen und Trockenfallen von Gewässern und Feuchtgebieten kommt. Hinzu kommt noch der Fernwasserexport in das Rhein-Main-Gebiet, der auch alles andere als förderlich für das Vogelsberger Grundwasser ist. Seit Monaten gilt ein Entnahmeverbot von Wasser aus öffentlichen Gewässern.

Besonders in trockenen Sommern kam es schon zu erheblichen Problemen bei der Wasserversorgung. Als Beispiel ist hier die Stadt Ulrichstein zu nennen, dort musste im Dürresommer 2018, das Trinkwasser in Tankwagen aus umliegenden Brunnen angeliefert werden, da die eigenen Quellen komplett ausgetrocknet waren. Im Sommer 2020 musste ebenfalls der Hochbehälter in Ulrichstein mit Tankwagen gefüllt werden. Diese Szenarien gilt es unbedingt zu verhindern. Wir fordern daher eine an den Klimawandel angepasste, klimafeste und umweltschonende Wasserwirtschaft für den Vogelsbergkreis.

Dazu gehört nach unserer Meinung auch, die Verhinderung des Weiterbaus der A49. Die Trasse verläuft zum Teil durch den Vogelsbergkreis unter anderem durch den Dannenröder Forst und ein Wasserschutzgebiet II, das ca. 500.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Der Dannenröder Forst ist ein gesunder Mischwald, es finden sich dort sogar nach drei trockenen Sommern noch Feuchtbiotope. Dichter Waldrand und geschlossene Baumkronen schützen den Wald vor Austrocknung. Dieses geschlossene Ökosystem wird jedoch durch die Schneise der Autobahn und die Versiegelung einer riesengroßen Fläche zerstört. Warme Winde können ungeschützt durch strömen, die Trasse wird sich im Sommer aufheizen, es fehlt Waldboden zur Aufnahme von Wasser und die Bäume neben der Trasse werden in ungeschützter Waldrandlage stehen. Die Folge wird sein, dass der restliche Waldboden viel schneller austrocknet, somit der Grundwasserspiegel sinkt und die Trinkwasserknappheit im Vogelsberg weiter voran getrieben wird.

Das Bundesverwaltungsgericht hat am 23. Juni 2020 ein rein formelles Urteil gefällt. Inhaltlich heißt es, im Hinblick auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie würde die Autobahn so heute nicht mehr genehmigt werden. Das Urteil berücksichtigt auch nicht die aktuelle Situation, Klimawandel, Waldsterben, Dürre und Trinkwasserknappheit. Auch das durch die Landesregierung in Auftrag gegebene Wassergutachten (ahu GmbH, 28.09.2020) berücksichtigt die aktuelle Situation nicht.

Große Sorgen bereiten uns auch Aussagen des Wasserversorgers ZMW:“Dieser Trassenverlauf sei aus wasserrechtlicher Sicht der Ungünstigste“, „wie eine OP am offenen Herzen“, durch tiefe Brückenpfeiler könnte das Grundwasser im schlechtesten Fall seine Laufrichtung ändern und die Wege zu den Brunnen nicht mehr finden.“ In der Bauphase werden aus Vorsicht sogar Brunnen abgeschaltet.

Alleine die von uns aufgeführten Gründe reichen aus um sich große Sorgen um die zukünftige Trinkwasserversorgung im Vogelsbergkreis zu machen, dazu braucht es noch nicht einmal ein Wassergutachten.

Wasser ist und wird in der Zukunft unser wertvollstes Gut sein!

Der Weiterbau der A49 beruht auf demokratischen Entscheidungen und auf einer Planung, die vor ca. 40 Jahren begann. Wir respektieren demokratische Entscheidungen. Jedoch sind wir der Meinung, dass demokratische Entscheidungen in Extremsituationen und bei sich ändernden Umständen zu hinterfragen und neu zu bewerten sind.

Der Klimawandel ist laut Wissenschaftlern auf der ganzen Welt die größte Bedrohung für die Menschheit. Deutschland hat sich 2016 dazu verpflichtet die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, dies war auch eine demokratische Entscheidung. Mit den in der heutigen Zeit uns vorliegenden Erkenntnissen über den Klimawandel, ist es für uns unverständlich, wie ein solches Bauprojekt, das gesunden Wald zerstört und Trinkwasser von ca. 500.000 Menschen gefährdetnoch durchgeführt und nicht noch einmal mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hinterfragt wird.

Wir fordern die hessische Landesregierung auf, die wasserrechtliche Erlaubnis beim Bau der A49 zu überprüfen, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel, Dürre, Waldsterben und Trinkwasserknappheit mit einzubeziehen und ein Planergänzungsverfahren zu dem Thema Wasser in Auftrag zu geben. Bis zur Vorlage eines Ergebnisses sollen alle Arbeiten zum Weiterbau der A49 ruhen!

Die Bundesregierung fordern wir auf, aufgrund der vorstehend genannten Gründe den Weiterbau der A49 zu stoppen!

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und hoffen auf eine Antwort, vor allem auch im Sinne unserer zukünftigen Generationen.

Mit freundlichen Grüßen

Für die Klimaliste Hessen Vogelsbergkreis

Veronika Damjanovic & Günter Burck

Offener Brief an:

Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Priska Hinz

Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer

Ministerpräsident Volker Bouffier

Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Tarek Al-Wazir